So könnt Ihr Euer Traumhaus als Energiesparhaus bauen

So könnt Ihr Euer Traumhaus als Energiesparhaus bauen

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Bei der Planung eines Eigenheims geht es nicht allein um die Wohnfläche, die Raumaufteilung und das Wohlfühlen: Auch der Energieverbrauch spielt eine immer wichtiger werdende Rolle. Wenn Ihr von vornherein auf eine möglichst energiesparende Bauweise achtet, spart Ihr nicht nur enorme Kosten über die gesamte Lebensdauer Eures Traumhauses hinweg, sondern leistet einen Beitrag zum Klimaschutz und helft wirkungsvoll mit, Emissionen zu begrenzen. Die wichtigsten Aspekte des energiesparenden Bauens zeigen wir Euch in diesem Beitrag

Der Endenergiebedarf und seine Kosten

Wie energiesparend ein Haus im Ganzen ist, wird über den sogenannten Endenergiebedarf bestimmt. Hinter dem etwas unhandlichen Begriff verbirgt sich nichts anderes als die Menge an Energie, die notwendig ist, um ein Haus das ganze Jahr über bewohnen zu können. Ein sehr verbreitetes Maß ist dabei der Energieverbrauch in Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche pro Jahr (kWh/m²/a).

Der Löwenanteil, nämlich durchschnittlich fast 70 Prozent des gesamten Energiebedarfs, entfallen dabei auf die Raumwärme, also die Heizung. Die Erzeugung von Warmwasser schlägt mit rund 15 Prozent des Gesamtverbrauchs zu Buche. Der Energieverbrauch in anderen Bereichen ist vergleichsweise gering, auf die Beleuchtung entfallen im Schnitt zwischen 1,5 und 2,5 Prozent des Gesamtenergiebedarfs. In anderen Bereichen, etwa bei mechanischer Energie, liegen die Verbrauchswerte dem Umweltbundesamt zufolge noch niedriger.

Um die abstrakten Werte etwas konkreter zu machen, findet Ihr hier einige Richtwerte zum Energieverbrauch verschiedener Haustypen:

  • Neubau nach EnEV 2014 / GEG: typischerweise 50 - 75 kWh/m²/a.
  • Altbau nach Wärmeschutzverordnung 1977: typischerweise 200 - 250 kWh/m²/a.
  • Altbau vor 1977, unsaniert: 230 bis über 300 kWh/m²/a
  • Altbau nach Wärmeschutzverordnung 1995: 120 - 150 kWh/m²/a.
  • KfW-Effizienzhaus 55: maximal 40 kWh/m²/a
  • KfW-Effizienzhaus 40: maximal 30 kWh/m²/a
  • Passivhaus: unter 25 kWh/m²/a
  • Plusenergie-Haus: Energieverbrauch geringer als Energieerzeugung, also unter 0 kWh/m²/a

Gut zu wissen: Bei der Bauplanung ist der Architekt verpflichtet, anhand der vorgegebenen Planung den erwarteten Energiebedarf des Hauses exakt auszurechnen, die Unterlagen und Berechnungen sind Teil des Bauantrags.


Energiekosten eines Hauses

Dass Energie – insbesondere Heizenergie – sehr schnell sehr teuer werden kann, haben wir zuletzt schmerzhaft erfahren. Sich gegen die aktuellen und zukünftigen Preissteigerungen möglichst wirkungsvoll abzusichern, klappt am besten, indem Ihr weniger Energie verbraucht.

Mit Preisen von aktuell über 10 Cent/kWh für Gas und Öl verursacht das Heizen sehr hohe Kosten. Auch bei anderen Energieformen sieht es nicht besser aus. Wenn der Energiebedarf Eures Hauses im durchschnittlichen Bereich liegt, sind die Kosten bereits enorm.

Das Ganze hat allerdings auch noch eine andere – viel größere – Dimension, die Ihr ebenfalls berücksichtigen müsst. Ein Großteil der Energiegewinnung erfolgt bis heute aus fossilen Energieträgern: Sie sind nicht nur endlich und werden daher irgendwann knapp. Ihr Einsatz ist angesichts des massiv voranschreitenden Klimawandels auch eine regelrechte Katastrophe. Je weiter Ihr den Energieverbrauch Eures Hauses senkt, desto weniger Schaden richtet Ihr also: bei einem Neubau, der die nächsten 80 bis 100 Jahre genutzt wird, ein ziemlich wichtiges Argument.


Passivhaus und Plusenergie-Haus – lohnt sich das?

Der Gedanke, dass ein Haus überhaupt keine Energie mehr braucht ist unglaublich bestechend. Der Gedanke, dass ein Haus mehr Energie erzeugt, als es selbst verbraucht, umso mehr.

Allerdings dürft Ihr Euch von den Begriffen nicht blenden lassen. Ein Passivhaus ist kein "Nullenergiehaus", sondern verbraucht natürlich ebenfalls Energie – nur eben sehr wenig. Der Energieverbrauch eines Passivhauses bewegt sich in den meisten Fällen in der Praxis zwischen 15 und 25 kWh/m²/a.

Plusenergie-Häuser gibt es zwar, aber überwiegend als Modellprojekte und nicht als reale, tatsächlich im Alltag bewohnte Häuser. Allenfalls einige große Gewerbegebäude schaffen es, gelegentlich mehr Energie zu erzeugen als sie verbrauchen.

Um den Endenergieverbrauch auf möglichst geringe Werte zu senken, müsst Ihr einigen Aufwand treiben.

Im Durchschnitt liegen die Baukosten für ein Passivhaus 10 – 20 Prozent höher als für vergleichbare Häuser mit durchschnittlichem Energieverbrauch. Den niedrigen Energieverbrauch erreicht Ihr nur durch den Einbau komplexer Technik, die im Betrieb Wartungskosten erforderlich macht und anfällig für Störungen ist. Am Ende zahlt Ihr dann zwar weniger für die Energie, dafür aber mehr für Wartungen und Reparaturen. Ob sich das lohnt, lässt sich nur im konkreten Einzelfall beurteilen. Die Einsparungen fallen unter dem Strich häufig nicht so hoch aus, wie Ihr vielleicht erwartet.

Was Ihr ebenfalls berücksichtigen müsst: Bei einem Passivhaus geht Ihr beim Bau an die Grenze des technisch Möglichen. Damit ist eine sehr sorgfältige Planung und Auslegung der Bauweise und Technik erforderlich. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Baumängel (zum Beispiel Feuchtigkeitsschäden durch die sehr hohe Dämmung und zu klein dimensionierte Lüftungsanlagen).

Plusenergie-Häuser lassen sich zwar theoretisch planen, sind in der Praxis aber schwer umzusetzen. Die grundlegenden Probleme sind die gleichen wie bei Passivhaus, da einem Plusenergie-Haus im Prinzip ein (sehr leistungsfähiges) Passivhaus zugrunde liegt, bei dem zusätzlich die Energiegewinnung maximiert wird. Der Kostenaufwand liegt nochmals höher als bei einem Passivhaus.


Heiztechnologie: Der kritische Faktor

Wie bereits erwähnt, entfällt der größte Anteil des Energieverbrauchs Eures Traumhauses auf die Erzeugung von Raumwärme und ein weiterer großer Anteil auf die Erzeugung des benötigten Warmwassers.

Um Wärme zu erzeugen, gibt es nach heutigem Stand der Technik nur wenige Möglichkeiten:

  • Verbrennung fossiler Brennstoffe (Öl, Gas, Kohle)
  • Verbrennung von Biomasse (Scheitholz, Pellets, Hackschnitzel, Holzvergaserheizungen)
  • Heizen mit Strom (Strom-Direktheizung, Wärmepumpenheizungen)
  • Fernwärme

Mit dem Anstieg der Gas- und Ölpreise haben sich auch die Preise für andere Energieträger deutlich erhöht. Der Pelletpreis lag bereits im Sommer auf einem Allzeit-Hoch, Scheitholz begann gegen Ende des Sommers knapp und dadurch teurer zu werden. Weil Fernwärme meist mit fossilen Energieträgern erzeugt wird, steigen auch hier die Heizkosten steil an. Auch der Strompreis liegt auf einem seit Jahren nicht erreichten Höchststand.

Um noch ein Missverständnis aus der Welt zu räumen: Wärmepumpenheizungen arbeiten nicht allein mit der in der Luft, dem Erdreich oder dem Grundwasser. Die Wärmepumpe selbst arbeitet mit Strom. Zwar beträgt der Stromverbrauch nur rund ein Viertel einer Strom-Direktheizung, aber auch das Heizen mit der Wärmepumpe wird durch die hohen Strompreise teurer.

Egal für welche Heiztechnologie Ihr Euch entscheidet: Ihr müsst mit deutlich gestiegenen Preisen rechnen. Um Kosten zu senken, bleibt die einzige Lösung beim Hausbau, den Endenergieverbrauch des Hauses so gering wie möglich zu halten.


Erneuerbare Energien am Haus als Lösung?

Die benötigte Energie einfach selbst zu erzeugen, ist ein naheliegender Gedanke. Dafür kommen im Grunde nur Photovoltaik und Solarthermie in Frage.

Photovoltaik erzeugt Strom, Solarthermie über ähnlich aussehende Kollektoren Warmwasser, das Ihr auch zur Heizungsunterstützung verwenden könnt (sogenannte "Hybridheizung").

Während sich Solarthermie in den meisten Fällen rechnet (auch durch die hohen Förderungen) und auf jeden Fall die Heizkosten massiv senken kann, ist das bei Photovoltaik eher problematisch.

Von der Solarthermie-Anlage erzeugtes Warmwasser könnt Ihr für eine spätere Verwendung problemlos speichern, beim Strom ist die Speicherung hingegen sehr aufwendig. Rechnet man die Kosten für Stromspeicher auf die Kilowattstunde (kWh) herunter, kommen zusammen mit der Photovoltaik-Anlage beträchtliche Erzeugungs- und Speicherkosten zusammen.

Eine gespeicherte Kilowattstunde Strom kostet zwischen 12 bis 25 Cent pro kWh, die Stromerzeugungskosten liegen bei durchschnittlichen Solaranlagen im Haushalt zwischen 8 und 12 Cent pro kWh. Daraus ergibt sich ein Gesamtpreis für den selbst erzeugten Strom zwischen 20 und 37 Cent pro kWh: Kostenlos ist der Strom durch die Sonne also nicht.

Dazu kommt der hohe bürokratische Aufwand: verpflichtende Anmeldung eines Gewerbes (da man Stromerzeugung betreibt), Umsatzsteuerpflicht, Einkommenssteuer für den selbsterzeugten Strom, der steuerrechtlich eine "geldwerte Leistung" ist.


Bewährte Strategien für den Bau eines Energiesparhauses

1. Dämmung optimieren

Das deutsche Gebäudeenergiegesetz (GEG) macht strenge Vorgaben für die verpflichtende Dämmung von Neubauten, die Ihr aber noch deutlich übererfüllen könnt. Der Bau eines KfW-Effizienzhauses lohnt sich in jedem Fall: einerseits wegen des deutlich geringeren Energieverbrauchs, andererseits wegen der staatlichen Förderung, die Ihr nutzen könnt.

Wenn Ihr diese Förderung noch nutzen möchtet, sollte Ihr Euch beeilen: Die Bundesregierung hat angekündigt, die Förderung von energieeffizienten Neubauten zurückzufahren und stattdessen die Sanierung von Bestandsgebäuden deutlich mehr zu fördern.

Der Kostenvorteil durch den geringeren Energieverbrauch bei einem Effizienzhaus bleibt aber weiterhin beträchtlich. Bei Fertighäusern könnt Ihr Euch direkt an den beim jeweiligen Hausmodell angegebenen Energieverbrauchswerten orientieren. In unserem Webtool könnt Ihr Euch konkrete Vorschläge und Angebote von Fertighausherstellern zusammenstellen lassen.

2. Kompakte Bauweise wählen

Die Bauform eines Hauses hat eine nicht zu unterschätzende Auswirkung auf den Energieverbrauch. Bei kompakt gebauten Häusern mit kleinen Außenwandflächen sind die unvermeidbaren Energieverluste auf natürliche Weise minimiert. Diesen Effekt solltet Ihr bei der Planung eines Gebäudes ganz bewusst einsetzen.

3. Lage des Gebäudes optimieren

Die Auswirkung der Ausrichtung eines Gebäudes auf den Energieverbrauch wird häufig unterschätzt. Wer sein Gebäude allerdings so plant, dass die Räume mit geringerem Heizwärme- und Energiebedarf (Schlafzimmer, Treppenaufgänge, Hauswirtschaftsräume) an der Nordseite liegen, die Wohn- und Aufenthaltsräume (Esszimmer, Wohnzimmer) dagegen im Süden, kann den Energieverbrauch deutlich senken.

4. Solare Zugewinne maximieren

Die Kraft der Sonne wird ebenfalls häufig unterschätzt: Dabei beklagen wir uns im Sommer regelmäßig über die Hitze in südseitig ausgerichteten Räumen. Auch in der Heizperiode scheint die Sonne weiter und kann helfen, die Räume mit geringerem Heizungseinsatz aufzuwärmen.

Maximieren lassen sich diese sogenannten "solaren Zugewinne" durch den Einbau großer Fensterflächen an der Südseite (die Ihr im Sommer wirkungsvoll verschatten müsst) und die richtige Auswahl der eingebauten Fenster. Sonnenschutzfenster verhindern den Wärmeeffekt, da sie keine Wärmestrahlung eindringen lassen.

5. Heizungssteuerung optimieren

Egal, welche Heizungstechnologie Ihr verwendet: eine möglichst zielgenaue, automatische Regelung der Heizwärmeleistung hilft in jedem Fall, Energie zu sparen. Optimal sind Haustechniksteuerungen (Smart Home), die sich exakt programmieren lassen.

So wird etwa die Heizung heruntergeregelt, sobald Ihr das Haus verlasst und erst kurz vor dem Nachhausekommen oder über einen Befehl vom Smartphone wieder hochgeregelt. In Räumen, die Ihr nur zu bestimmten Zeiten nutzt (das Badezimmer morgens und abends, das Schlafzimmer nur nachts) wird die Temperatur automatisch an die Nutzungszeiten angepasst.

Für umfassende Smart Home Funktionalitäten wird eine spezielle Installation (BUS-Installation) bei den elektrischen Leitungen benötigt, was die Kosten für die Elektroinstallation des Hauses verteuern kann. Regelbare und programmierbare Heizungsthermostate sind eine deutlich kostenschonendere Lösung – und in vielen Fällen nahezu ebenso effektiv.

6. Lüftungswärmeverluste begrenzen

Der Einbau einer dezentralen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung verhindert, dass durch das notwendige Lüften zu viel Raumwärme verlorengeht. Dennoch sind die Räume immer gut durchlüftet. Manche Anlage lassen sich automatisch steuern: nach dem gemessenen Anteil an Kohlendioxid oder Feuchtigkeit im Raum. Die vorhandene Wärme in der Abluft wird dabei über einen Wärmetauscher auf die zugeführte Frischluft übertragen und bleibt damit erhalten.

7. Wärmeverluste über die Fenster verringern

Wenn Ihr hochwertig gedämmte Rollladen einbauen lasst, könnt Ihr vor allem abends und nachts die Wärmeverluste über die Fenster deutlich verringern. Dabei solltet Ihr es Euch zur Gewohnheit machen, die Rollläden bei Abwesenheit und bei Dunkelheit in der kalten Jahreszeit immer zu schließen oder eine elektronische Steuerung so zu programmieren, dass sie das automatisch tut.


Fazit

Auch wenn Ihr kein Passivhaus baut, könnt Ihr den Energieverbrauch Eures Hauses durch die Bauweise deutlich senken. Dies unabhängig davon, welche Heiztechnologie Ihr verwendet: Die Vorteile durch eine energiebewusste Bauweise könnt Ihr bei jedem Haus nutzen.

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