Fertighaus vs. Massivhaus – Vor- und Nachteile der Bauweisen

Fertighaus vs. Massivhaus – Vor- und Nachteile der Bauweisen

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Massivhaus vs. Fertighaus – zwei unterschiedliche Weisen, Häuser zu bauen: Welche für Euch besser geeignet ist, worin die jeweiligen Vor- und Nachteile bestehen und worauf Ihr beim Hausbau achten solltet, erklären wir Euch in diesem Beitrag. Eine grundsätzliche Erklärung vorneweg: Beim Bau eines Massivhauses wird Stein für Stein gesetzt, während Fertigteilhäuser industriell vorgefertigt, an die Baustelle geliefert und dort segmentweise zu einem Haus montiert werden. Obwohl beide Bauweisen grundlegend anders sind – die Unterschiede beim Wohnen sind eher gering. Sowohl in Wohnqualität als auch in der Stabilität sind die Bauweisen vergleichbar.

Was ist ein Massivhaus?

Ein Massivhaus wird individuell nach den Wünschen der Baufamilie geplant. Ihr könnt Grundriss und Gebäudeform nach eigenen Bedürfnissen umsetzen, und auch bei Wandbaustoffen habt Ihr alle Freiheiten. In den meisten Fällen werden Massivhäuser Stein für Stein gebaut.  

Eure Ansprechpartner beim Bau, ob Architekt, Baufirma oder die verschiedenen Gewerke, arbeiten direkt auf der Baustelle. Dort könnt auch mit Änderungswünschen an sie herantreten. Doch Vorsicht: Wirklich flexibel ist selten etwas auf einer Baustelle. Änderungen ziehen oft einen größeren Planungsaufwand nach sich.

Es gibt drei Arten, wie Ihr ein Massivhaus bauen lassen könnt: durch einen Bauträger, mit Hilfe eines Generalunternehmers oder in Eigenregie.  

Beim Bauen mit einem Bauträger gebt Ihr die gesamte Koordination der Bauarbeiten an ein einziges Unternehmen ab. Dazu gehören auf Wunsch auch der Grundstückskauf, die Architektenleistung und der Bau. Das Haus wird schlüsselfertig, also einzugsbereit, übergeben.  

Mit einem Generalunternehmer läuft der Bau ähnlich. Allerdings ist hier das Grundstück meist nicht im Leistungsumfang enthalten.  

Wollt Ihr das Haus auf eigene Faust bauen lassen, koordiniert Ihr die verschiedenen Gewerke und Handwerker selbst und sucht Euch auch selbst einen Architekten. Bei dieser Variante solltet Ihr Euch auf einen langen und vor allem zeitraubenden Prozess einstellen, der neben einem regulären Job schwer zu bewältigen ist.

Vorteile der Massivhaus-Bauweise

Die meisten Massivhäuser werden von einem Architekten gemeinsam mit der Baufamilie entworfen. An dieser Stelle könnt Ihr Euren Wohnwünschen und Grundriss-Vorstellungen Raum geben. Die Individualität beim Massivhaus ist der größte Unterschied zum Haus in Fertigteilbauweise.  

Häuser in massiver Bauweise sind sehr wertstabil. Auch nach Jahrzehnten erzielt Ihr einen besseren Verkaufspreis als bei einem Fertighaus. Durchschnittlich steht ein privat genutztes Massivhaus 100 bis 120 Jahre und beherbergt damit etwa drei Generationen von Bewohnern, bevor es abgerissen wird.

Allein schon durch ihre Bauweise und dickes Mauerwerk gelten Massivhäuser als besonders gut schallgeschützt.  

Bei einem Massivhaus sorgt das Mauerwerk für ein gutes Wohnklima, weil es Wasserdampf speichert und ihn an den Innenraum abgeben kann. Dadurch wird der Wohnraum im Sommer gekühlt und im Winter warmgehalten. Doch Vorsicht: Dieser Vorteil kann sich schnell ins Gegenteil verkehren, wenn Ihr zusätzliche Dämmschichten anbringen müsst.  

Viele Arbeiten könnt Ihr bei einem Massivhaus mit etwas handwerklichem Geschick beim Bau selbst erledigen und Kosten sparen. Diese Eigenleistungen werden in der Hausfinanzierung sogar als Eigenkapital angerechnet.

Nachteile eines Massivhauses

Die Bauzeit eines Massivhauses ist in jedem Fall länger als die eines Fertighauses. Bauwetter, Materialknappheit oder Terminprobleme verschiedener Gewerke – es gibt viele mögliche Probleme. Bei längeren Schlechtwetterperioden kann sich der Bau verzögern, zwischen den verschiedenen Bauabschnitten müssen Zeiten zum Trocknen eingehalten werden. In der Regel wird sich das auch auf Eure Finanzierung auswirken: Für Kredite müsst ihr Bereitstellungszinsen kalkulieren, dauert es länger, werden eventuell Verzugszinsen an die Bank fällig.

Auf der Baustelle sind viele verschiedene Handwerker und Unternehmen aktiv: vom Erd- beziehungsweise Tiefbauunternehmen über den Maurer und Betonbauer, Dachdecker, Klempner, Gerüstbauer, Zimmermann, Fensterbauer, Tischler, Elektriker, Sanitär-, Heizungs- und Lüftungsinstallateure, Estrich-, Boden- und Fliesenleger bis zum Maler, Schlosser und Treppenbauer.

Bei so vielen verschiedenen Gewerken und Handwerkern ist die Koordinierung nicht nur besonders schwierig – sie ist auch fehleranfällig. Ist nur eine Firma in Verzug, kann der gesamte Zeitplan wackeln. Handwerker, die miteinander in Konflikt geraten, sind auch nicht so selten. Außerdem Ihr als Baufamilie jede einzelne Bauleistung prüfen und abnehmen, um Fehler rechtzeitig zu erkennen.

Kosten eines Massivhauses

Beim durchschnittlichen Neubau eines Massivhauses müsst Ihr von 2.000 bis 2.500 Euro pro Quadratmeter ausgehen, ohne die Kosten für Grundstück, Keller, Terrasse oder Baunebenkosten (wie z.B. Zinsen für den Kredit oder die Notarkosten). Bei Sonderwünschen gibt es übrigens nach oben kein Limit.

Was ist ein Fertighaus?

Fertighäuser könnt Ihr aus dem Katalog bei speziellen Fertighausunternehmen aussuchen und bestellen. Sie werden schlüsselfertig übergeben, die Grundrisse wurden von einem Architekten geplant. Ihr habt nicht nur die Wahl zwischen verschiedenen Hausarten, oft könnt Ihr auch den Grundriss vorab anpassen lassen und  verschiedene Ausstattungsstufen bestellen. Bei vielen Fertighausanbietern ist die Individualisierung der Häuser weiter fortgeschritten – Häuser von der Stange gibt es kaum noch.

In der Regel bestehen Fertighäuser aus einer Holzkonstruktion. Wände, Decken und Dächer werden vorgefertigt und anschließend auf der Bodenplatte Eures Grundstückes aufgebaut.  

Beim Fertighaus ist die Suche nach dem richtigen Anbieter die größte Herausforderung. Einen Überblick zu bekommen ist nicht leicht, zumal einige Firmen Spezialisierungen wie besonders ökologische Fertighäuser und besondere Energiesparhäuser im Angebot haben. Mit unserer Plattform euerzuhause helfen wir Euch dabei, den richtigen Anbieter zu finden.

Vorteile eines Fertighauses

Die eigentliche Bauphase eines Fertighauses mit Holzunterkonstruktion ist in wenigen Tagen abgeschlossen – lange Arbeiten auf Eurem Grundstück vermeidet Ihr damit. Und da in den meisten Fällen ohne Zement und Mörtel gebaut wird, gibt es auch keine langen Trocknungszeiten. Weniger Gewerke und damit weniger Fehler – das ist ein weiteres klares Versprechen der Fertighausindustrie.

Die vormontierten Bauteile können unabhängig von Witterungsbedingungen montiert werden. Insbesondere in den Wintermonaten habt Ihr hier damit kaum Verzögerungen im Vergleich zur Massivbauweise.

Die Industrie hinter der Fertigbauweise hat durch Standardisierungen und Fabrikproduktion ebenfalls Vorteile: Große Stückauflagen der Haustypen sind kostengünstiger. Von diesem Vorteil profitieren auch Baufamilien: Fertighäuser sind günstiger im Preis. Außerdem sind die Baukosten gut planbar: Euer Haus bekommt Ihr mit vertraglich vereinbarter Festpreisgarantie.

Energiesparende Häuser sind mit den Fertighäusern sehr viel einfacher zu realisieren: Zum einen werden die Heizungsanlagen, Dämmungen usw. schon in der Planungsphase bei jedem Haustyp optimiert – zum anderen ist alleine schon durch die industrielle Fertigung ein hohes Maß an Genauigkeit zu erwarten. Deshalb sind nahezu alle Fertighäuser, die Ihr auf dem Markt findet, Energiesparhäuser und erfüllen die stetig höheren Energiestandards der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Euer Vorteil: Entspricht ein Haus diesen Standards, könnt Ihr bei der KfW zinsgünstige Darlehen und einmalige Zuschüsse beantragen.

Ihr wollt Euer Domizil besichtigen, bevor es gebaut ist? Beim Fertighaus geht das! Die meisten Anbieter präsentieren in so genannten Musterhäusern ihre Produkte. So könnt Ihr Euch schon vor der Bestellung einen Eindruck verschaffen, wie Euer Haus einmal aussehen könnte.  

Nachteile der Fertigbauweise

Die Lebensdauer eines Fertighauses wird im Durchschnitt mit 70 bis 90 Jahren angenommen. Das ist kürzer als bei einem Massivhaus. Allerdings gibt es noch keine empirischen Daten zur Lebenserwartung von Fertighäusern: So lang gibt es diese Bauweise nämlich noch gar nicht. Außerdem entwickelt sich die Industrie ständig weiter, setzt zum Beispiel hochwertigere Materialien ein, und kann auf steigende Produktionserfahrung sowie fachmännische Expertise zurückgreifen.

Auch wenn die Lebensdauer eher ein gefühlter Wert ist – harte Fakten ergeben sich aus der geringeren Wertstabilität: Ein Fertighaus hat einen niedrigeren Wiederverkaufswert als ein Massivhaus. Nach etwa 30 Jahren müsst Ihr damit rechnen, beim Verkauf bis zu 15 Prozent weniger Geld zu bekommen als bei einem Massivhaus.

Der wohl wesentlichste Nachteil eines Fertighauses: Sie gelten als „Massenware“ unter den Immobilien, mit vorgegebenen Grundrissen und Raumaufteilungen mit wenig Gestaltungsspielraum. Doch diesbezüglich haben die Fertighausanbieter  reagiert: Neben den standardisierten Hausmodellen könnt Ihr Euer Haus durchaus individuell gestalten und zum Beispiel Grundrisse verändern. Oft bekommt Ihr dafür vom Hersteller gleich einen Architekten an die Hand. Damit steigt zwar der Preis Eures Fertighauses – die anderen Vorteile bleiben aber bestehen.  

Kosten eines Fertigbauhauses

Im Durchschnitt solltet Ihr für ein Fertighaus zwischen 1.800 bis 2.000 Euro pro Quadratmeter rechnen, je nach Ausstattung und Sonderwünschen kann der Preis aber auch steigen.  

Mix aus beidem 1: Fertig-Massivhaus

Die Vorteile der industriellen Fertigung haben auch die Baustoffhersteller erkannt und bieten  Fertig-Massivhäuser an. Auch die könnt Ihr als Fertighaus im Katalog aussuchen und quasi fertig kaufen. Tatsächlich werden sie dann Stein auf Stein gebaut, benötigen ähnliche lange in der Bauzeit wie ein klassisches Massivhaus und sind ähnlich teuer. Inzwischen finden sich auch Bauweisen, in denen Wände, Decken und Dächer nicht in Holzbauweise sondern im Massivbau vorgefertigt und dann auf der Baustelle nur noch montiert werden.

Mix aus beidem 2: Massivhaus in Fertigbauweise

Auch individuelle Häuser in Holzfertigbauweise sind mittlerweile möglich: Einige Baufirmen bieten Wand-, Decken und Dachelemente vorgefertigt, aber vom Architekten individuell gestaltet, an. Streng genommen ist das aber dann kein Massivhaus mehr, das aus einzelnen Steinen besteht.

Übersicht Vor- und Nachteile der Bauweisen

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